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Große Straße | 49434 Neuenkirchen | Tel.: 05493/5542
Öffnungszeiten: Montag-Freitag von 8.30 - 18.30 Uhr durchgehend | Samstag von 8.30 - 13.00 Uhr
 
Mehr Gelächter und Applaus hat das evangelische Gemeindehaus in Neuenkirchen noch nicht erlebt. Der Osnabrücker Horst Allrutz präsentierte auf Einladung der Buchhandlung Weitzmann einen Heinz Erhardt-Abend der Extra-Klasse.

Foto & Text: Ilona Uphaus

 
   
Mikrofon und Lautsprecher darf Martin Weitzmann auf Geheiß des Gastes gleich wegräumen. Selbst bei Rekordbesuchszahlen im ausverkauften, vollgepfropften Saal reicht die Stimme des 72-Jährigen locker, um das Publikum völlig zu fesseln. Die Materie macht es ihm natürlich leicht. Wer ließe sich nicht vom einzigartigen Humor des Heinz Erhardt anstecken. Doch Horst Allrutz liefert keine Lesung ab. Er zitiert – „Mit einem guten Witz kann man sich die ganze schlechte Laune verderben“. Er imitiert – wischt sich die Augen beim „traurigen“ Gedicht – und kommt dabei jedes Mal in Gestik und Mimik dem Original ganz nah. Er parodiert – mit den bekannten, unbeholfen scheinenden Bewegungen. Dunkler Nadelstreifenanzug, lila schimmernde Krawatte, weißes Hemd, weißes Einstecktuch und die dicke schwarze Brille. Dazu die Stimme und das schelmische, laute „Haha“, gerade so wie der 1979 verstorbene Humorist.
Das Publikum erfährt, dass Erhardt 1909 in Riga geboren ist und bei den Großeltern aufwuchs. Im Alter von 10 Jahren holte ihn der Vater zu sich, der Kapellmeister war. Erhardt sei ein nachdenklicher und sensibler Mensch gewesen, erklärt Allrutz, der sich selbst kurz als Mitglied der Probebühne Osnabrück vorstellt. Dann geht er sogleich in die Vollen. Sprüche und Überleitungen in Perfektion – „danke für das Geräusch“ und „entweder alle oder keiner“ zum Applaus des Publikums, der kaum einmal abebbt.
Kurz vor seinem 18. Geburtstag hat Horst Allrutz das erste Mal als Büttenredner auf der Bühne gestanden – bis heute ungezählte Male nicht nur in Osnabrück. Dabei ist das „ernsthafte Theater“ Allrutz’ großes Hobby. Drei bis vier verschiedene Inszenierungen pro Jahr bietet die 1966 von ihm mit gegründete Probebühne Osnabrück. Per Zufall präsentierte er sich vor drei Jahren im „kleinen Nachtprogramm“ der Probebühne erstmals als Heinz Erhardt. Ein Programm, das ankommt. So auch in Neuenkirchen. Martin Weitzmann freut sich über den „zwerchfellerschütternden Vortrag“ als „fulminanten Auftakt“ der Lesungsreihe dieses Jahres „Literaturstreifzüge“.
Allzu bekannte Klassiker wie „Die Made“ oder „Ritter Fips“, die herrlich komische Lyrik scheint zeitlos zu sein, denn das Publikum wird jedes Mal sehr laut. Es lacht über die Dame, die zwei Ärzte benötigt. Einen älteren, wenn sie krank ist, und einen jüngeren, wenn ihr etwas fehlt. Allrutz kommuniziert immer wieder mit dem Publikum, wie es auch Heinz Erhardt tat. Kleine, feine Prisen Eigenes würzen den Auftritt unbemerkt. Ein Abend aus einem Guss. Und eine würdevolle Hommage an den großartigen Heinz Erhardt.

 
 
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